Alles über das Leben, die Kultur und die Geschichte des deutschen Mittelalters
Das Mittelalter in Deutschland wird üblicherweise von etwa 500 n.Chr. bis 1500 n.Chr. datiert. Es gliedert sich in drei Phasen: Frühmittelalter (500-1050) mit der Völkerwanderung, dem Frankenreich und der Entstehung des Heiligen Römischen Reiches unter Otto I. (962), Hochmittelalter (1050-1250) als Blütezeit von Rittertum, Minnesang und Kreuzzügen, und Spätmittelalter (1250-1500) mit Städtewachstum, Hanse und der Pest. Das Ende markiert die Reformation (1517) oder die Entdeckung Amerikas (1492). Diese Epoche prägte die deutsche Sprache, Kultur und viele bis heute erhaltene Burgen und Städte.
Ritter waren adlige Krieger zu Pferd, die einem Lehnsherrn dienten. Ihre Ausbildung begann mit etwa 7 Jahren als Page, mit 14 wurden sie Knappe und mit 21 durch den Ritterschlag zum Ritter. Sie lebten meist auf Burgen, die oft kalt, dunkel und wenig komfortabel waren. Der Alltag bestand aus Waffenübungen, Verwaltung ihrer Ländereien und Jagd. Ritter folgten dem Ehrenkodex der Ritterlichkeit (Tapferkeit, Treue, Schutz der Schwachen). An Turnieren konnten sie Ruhm und Preise gewinnen. Das romantische Bild des Ritters stammt weitgehend aus dem 19. Jahrhundert; die Realität war härter. Mit dem Aufkommen von Feuerwaffen verlor das Rittertum im 15. Jahrhundert an Bedeutung.
Der Bau einer Burg dauerte mehrere Jahre bis Jahrzehnte und kostete enorme Summen. Zunächst wurde ein strategisch günstiger Ort gewählt (Hügel, Flussbiegung). Hunderte Arbeiter - Steinmetze, Zimmerleute, Schmiede - waren beteiligt. Baumaterialien wurden oft vor Ort gewonnen oder über weite Strecken transportiert. Die Grundstruktur bestand aus Ringmauern, Bergfried (Hauptturm), Palas (Wohngebäude), Kapelle und Wirtschaftsgebäuden. Burgen hatten Verteidigungsanlagen wie Zugbrücken, Fallgitter, Pechnasen und Wehrgänge. Viele deutsche Burgen wie die Wartburg, Burg Eltz oder Marksburg sind heute noch erhalten und Zeugnisse mittelalterlicher Baukunst. Einige wurden nie fertiggestellt, wenn das Geld ausging.
Mittelalterliche Städte waren von Mauern umgeben und durch Tore geschützt. Die Straßen waren eng, dunkel und oft verschmutzt. Häuser waren meist aus Holz und Fachwerk gebaut, was Brände begünstigte. Das Leben war von Zünften organisiert: Handwerker wie Schmiede, Bäcker, Gerber hatten eigene Gilden mit strengen Regeln. Der Marktplatz war Zentrum des sozialen Lebens. Viele Städte erlangten Selbstverwaltungsrechte ('Stadtluft macht frei nach Jahr und Tag' - Leibeigene wurden nach einem Jahr Stadtaufenthalt frei). Hygiene war mangelhaft, was zu Seuchen führte. Bekannte Beispiele gut erhaltener Mittelalterstädte sind Rothenburg ob der Tauber, Bamberg und Quedlinburg.
Die Ernährung hing stark vom sozialen Stand ab. Bauern aßen hauptsächlich Getreidebrei, Brot, Gemüse (Kohl, Rüben, Erbsen) und selten Fleisch. Der Adel genoss aufwendige Bankette mit Wildbret, Geflügel, Fisch und importierten Gewürzen. Brot war Grundnahrungsmittel aller Schichten. Getrunken wurde Bier (auch von Kindern, da Wasser oft unsauber war), Wein und Met. Zucker war unbekannt, gesüßt wurde mit Honig. Viele heute bekannte Lebensmittel gab es noch nicht: Kartoffeln, Tomaten, Mais (aus Amerika) kamen erst nach 1500. Fastentage (über 150 pro Jahr) bestimmten den Speiseplan. Gegessen wurde mit den Händen und Messern; Gabeln waren selten. Festmähler des Adels konnten über Stunden gehen mit mehreren Gängen.
Die Pest, besonders der 'Schwarze Tod' von 1347-1353, war die verheerendste Pandemie des Mittelalters. In Deutschland starben schätzungsweise 25-50% der Bevölkerung. Städte waren besonders betroffen durch enge Bebauung und schlechte Hygiene. Die Krankheit wurde von Rattenflöhen übertragen, was man damals nicht wusste. Ärzte trugen Schnabelmasken mit Kräutern gefüllt. Es gab Pogrome gegen Juden, die man für die Pest verantwortlich machte. Die Pest führte zu massiven gesellschaftlichen Veränderungen: Arbeitskräftemangel stärkte die Position der Bauern, viele Dörfer wurden aufgegeben (Wüstungen). Pestsäulen und Pestfriedhöfe erinnern heute noch an diese Zeit. Weitere Pestwellen folgten bis ins 18. Jahrhundert.
Minnesang war die höfische Liebeslyrik des Hochmittelalters (12.-13. Jahrhundert), vorgetragen von Minnesängern bei Hof. 'Minne' bedeutet Liebe, oft idealisierte, unerreichbare Liebe zu einer hochgestellten Dame (Hohe Minne). Berühmte Minnesänger waren Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach und Heinrich von Morungen. Die Lieder wurden auf Mittelhochdeutsch verfasst und mit Musikbegleitung vorgetragen. Minnesang folgte festen Regeln und Motiven. Auf der Wartburg fand der legendäre Sängerkrieg statt. Die Manessische Liederhandschrift (um 1300) ist die wichtigste Sammlung mittelhochdeutscher Lyrik mit 137 Minnesängern. Der Minnesang beeinflusste die deutsche Literatur nachhaltig und gilt als Beginn der deutschen Dichtung.