Hoch über dem dunklen, gewundenen Tal der Bode, auf einer Hochebene, die sich 454 Meter über die Welt der Menschen erhebt, liegt der Hexentanzplatz – ein Ort, an dem die Grenze zwischen Geschichte und Legende seit Jahrtausenden verschwimmt. Bereits in vorchristlicher Zeit, etwa zwischen 750 und 450 v. Chr., war dieses Hochplateau durch einen sächsischen Wall aus grobem Granit geschützt, ein mächtiges Bauwerk, das nicht nur Menschen, sondern auch heilige Riten bewahrte. Der Überlieferung nach versammelten sich hier die Sachsen, um Fruchtbarkeit und Natur zu ehren, Opfer darzubringen und die Hagedisen – Wald- und Berggöttinnen – anzurufen, besonders in der Nacht zum 30. April, wenn sich die Welt der Menschen und der Geister berühren soll.
Mit dem Vordringen der christlichen Franken in den Harz und dem Verbot der alten Kulte änderten sich Name und Schicksal dieses heiligen Ortes. Aus dem einstigen Heiligtum wurde der Hexentanzplatz – der Tanzboden der Hexen. Einer Legende zufolge bewachten fränkische Soldaten das Plateau, um die heidnischen Rituale zu unterbinden, bis sie eines Nachts von Sachsen vertrieben wurden, die sich als Hexen verkleidet hatten und auf Besen reitend durch Rauch, Geschrei und Zauber erschienen. Der Name Teufelstanzplatz hielt sich als dunkles Echo von Furcht und Unverständnis gegenüber den alten Glaubensvorstellungen bis ins 19. Jahrhundert.
Im Laufe der Zeit wurde der Hexentanzplatz nicht nur zur Bühne der Legenden, sondern auch der Kunst. Im Jahr 1903 gründete Ernst Wachler das Harzer Bergtheater, eines der ältesten Freilichttheater Deutschlands, das bis heute als steinerner Zeuge kulturellen Schaffens unter freiem Himmel besteht. Seine Sitzreihen, im 21. Jahrhundert erweitert und modernisiert, sind die Erben jener uralten Kreise, in denen einst Tänze ohne Publikum stattfanden – beobachtet nur von den Wäldern und den Sternen. In der Nähe bewahrt die Walpurgishalle, errichtet nach der Idee des Malers Hermann Hendrich, Szenen aus den Sagen des Harzes und aus Goethes Faust, während ein Opferstein mit germanischen Inschriften still an die Rituale längst vergessener Götter erinnert.
Heute erreicht man den Hexentanzplatz mit einer Seilbahn, doch der Geist des Ortes ist derselbe geblieben. Unter modernen Wegen, Theaterlichtern und dem Lachen der Besucher hallen noch immer die Schritte der Hexen, das Flüstern alter Götter und ein Tanz wider, der niemals ganz verstummt ist. Denn der Hexentanzplatz ist nicht nur ein Ort – er ist das Gedächtnis der Erde, eine in Stein geschriebene Legende und eine Nacht, die jedes Jahr aufs Neue erwacht.
Wir nutzen Cookies, um die Funktionalität dieser Website zu gewährleisten. Notwendige Cookies sind immer aktiv. Für Google Maps benötigen wir Ihre Zustimmung. Mehr erfahren
Cookie-Einstellungen
Wir respektieren Ihre Privatsphäre. Sie können selbst entscheiden, welche Cookies Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei Deaktivierung bestimmter Cookies einige Funktionen der Website möglicherweise nicht verfügbar sind.
Notwendige Cookies
Erforderlich
Diese Cookies sind für die grundlegende Funktionalität der Website unbedingt erforderlich. Sie können nicht deaktiviert werden, da die Website ohne sie nicht ordnungsgemäß funktionieren würde.
Verwendete Cookies:
PHPSESSID - Sitzungsverwaltung für angemeldete Benutzer und Formularübermittlungen
cookie_consent, cookie_choice - Speichert Ihre Cookie-Einstellungen für zukünftige Besuche
Google Maps
Optional
Diese Cookies ermöglichen die Anzeige interaktiver Karten von Google Maps. Wenn Sie diese Cookies akzeptieren, können Karten mit Standortmarkierungen angezeigt werden.
Anbieter: Google LLC Zweck: Anzeige interaktiver Karten zur geografischen Darstellung von Geschichten und Städten Datenschutz:
Google Datenschutzerklärung
Hinweis: Durch die Aktivierung von Google Maps werden Daten an Google LLC (USA) übertragen. Google kann Ihre IP-Adresse und andere Informationen erfassen.