Friedrich Spee (1591 – 1635) Der Jesuit, Theologe und Dichter Friedrich Spee wurde berühmt als mutiger Kritiker der Hexenprozesse. Bis heute gilt er als Vorkämpfer für Menschenwürde und Gerechtigkeit.
Ein grauer Aprilmorgen des Jahres 1631: Vor den Mauern der Burg Ringelstein bei Büren knistert ein Scheiterhaufen im kalten Dunst. Eine junge Frau, gefesselt und erschöpft, wird von Wächterhand nach vorne gezerrt. Tränen glänzen auf ihren Wangen, während sie ein letztes Mal ihre Unschuld beteuert – doch das höhnische Raunen der Menge erstickt ihre Worte. Im Hintergrund steht Pater Friedrich Spee, ein Jesuitenpater mit sorgenvoller Miene. Als Beichtvater hat er der Frau in ihrer letzten Nacht Trost gespendet. Nun muss er mit ansehen, wie die Flammen lodern und eine unschuldige Seele darin vergeht – wie so viele in diesen Wochen. Innerlich erschüttert spricht Spee leise ein Gebet, doch zugleich schwört er sich, gegen dieses grausame Unrecht anzukämpfen.
Solche Szenen spielten sich im Hochstift Paderborn in jenen Jahren nur allzu oft ab.
1631 fasste Friedrich Spee all seinen Mut zusammen und veröffentlichte unter Pseudonym ein Buch, das Geschichte schreiben sollte: die Cautio Criminalis („Rechtliche Vorsichtsmaßnahme“). Diese Schrift – in lateinischer Sprache verfasst und anonym in der Universitätsstadt Rinteln gedruckt – prangerte als erste katholische Publikation überhaupt die Hexenprozesse und Foltermethoden an.
Spees Einsatz war zu Lebzeiten einsam, doch nicht vergeblich. Seine Cautio Criminalis verbreitete sich – trotz zeitweiliger Indizierung – in Abschriften und Übersetzungen in ganz Deutschland. Sie öffnete vielen gebildeten Zeitgenossen die Augen. In einigen Regionen wurden bereits in der zweiten Jahrhunderthälfte keine Hexen mehr verbrannt; schließlich erklärte 1775 das kurkölnische Westfalen – zu dem das Paderborner Land gehörte – die Anwendung der Folter für illegal.
In der Region Paderborn ist das Andenken an Friedrich Spee bis heute lebendig. Gerade hier, wo einst Scheiterhaufen brannten, ehrt man nun den Mann, der den Wahnsinn damals anprangerte. In Büren-Wewelsburg trägt eine Schule seinen Namen – die Friedrich-Spee-Schule erinnert täglich neue Generationen an seine Ideale. Auch in Paderborn, Rüthen, Trier und anderswo wurden Schulen nach ihm benannt, und an früheren Richtstätten wie dem Hexenturm in Rüthen mahnen Denkmäler mit Spees Bildnis an die Verbrechen von einst.
Spees Lebensgeschichte berührt uns noch immer, weil sie zeigt, wie ein einzelner Mensch mit Mut und Moral der Übermacht von Angst und Fanatismus die Stirn bieten kann. Seine Haltung – die unbedingte Achtung der Menschenwürde jedes Einzelnen und der Kampf gegen willkürliche Gewalt – hat bis heute Vorbildcharakter. Kernargumente der „Cautio Criminalis“ Spee enthüllte in seinem Buch:
Er deckte gerichtliche Folter auf – er zeigte, dass Folter immer zu falschen Geständnissen führt. Er kritisierte die Gerichtsverfahren – er warf den Angeklagten vor, die Prozesse seien so konstruiert, dass sie nicht freigesprochen werden konnten. Verurteilte Richter und Inquisitoren – er behauptete, viele seien von Habgier (Beschlagnahme von Eigentum) und Fanatismus motiviert. Er wies logische Fehlschlüsse auf – wenn Folter zu neuen Anschuldigungen führt, kann die Verfolgung nie aufhören.
Einfluss auf die Einstellung der Verfolgung „Cautio Criminalis“ hatte einen bedeutenden, aber allmählichen Einfluss:
Direkter Einfluss: Das Buch veranlasste einige deutsche Fürsten und Richter, die Prozesse einzustellen. Intellektueller Wandel: Sie trug zur aufklärerischen Kritik des Aberglaubens bei. Rechtsreformen: Sie veranlasste eine Überprüfung der Anwendung von Folter in der Justiz.
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