In der Stadt Lemgo, mitten im 17. Jahrhundert, während der Teutoburger Wald seine Geheimnisse flüsterte und die Bäche leise sangen, herrschte eine Zeit der Unsicherheit und der Angst. Im Jahre 1617 erhielt die Stadt das Recht der Blutgerichtsbarkeit – das Recht, über Leben und Tod selbst zu entscheiden.
Eine der Frauen, die in die Legende eingehen sollte, war Maria Rampendahl (um 1645 – nach 1681), die letzte Frau, die in Lemgo der Hexerei beschuldigt wurde. Als im Sommer ein Blitz den Kirchturm traf und das Vieh in den Dörfern ohne erkennbaren Grund verendete, richteten sich die Blicke auf Maria. Sie kannte die Kräuter der Wälder, wusste um die Heilpflanzen – und das allein reichte, um den Verdacht der Nachbarn zu wecken.
Die Gerichtsakten bezeugen, dass zwischen 1509 und 1681 zahlreiche solcher Prozesse geführt wurden, über zweihundert Dokumente sind bis heute erhalten. Maria beteuerte ihre Unschuld, doch das Klima aus Angst und Aberglauben ließ keine langen Verhandlungen zu. Im Sommer 1681 wurde das Urteil gesprochen: Verbannung aus Stadt und Land – anstelle des Feuers.
Zur Zeit dieser Prozesse war Hermann Cothmann, der Bürgermeister Lemgos, eine Symbolfigur der Macht. Sein Haus, heute bekannt als das Hexenbürgermeisterhaus, wurde zum Sinnbild jener dunklen Epoche. Unter seiner Herrschaft erreichten die Hexenprozesse ihren grausamen Höhepunkt.
Nachts flüsterte die Stadt: Wer wird der Nächste sein? Wem wird man morgen die Schuld geben? Und während Maria Rampendahl das Tor der Stadt hinter sich ließ, blieb ihre Geschichte in Stein und Erinnerung eingebrannt.
Vor der Kirche St. Nicolai erinnert heute der Stein des Anstoßes (1994) an all jene, die unschuldig verurteilt wurden. Wer heute die Breite Straße entlanggeht, kann fast die Schritte jener hören, die einst dort gingen – beschuldigt, gefürchtet, vergessen. Und so mahnt Lemgo bis heute: Die größte Finsternis kommt nicht aus Zauberei, sondern aus dem Herzen der Menschen selbst
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