In den langen Nächten, wenn der Wind durch die engen Gassen Lemgos zog, flüsterten die Leute in Torbögen und Hauswinkeln: „Wieder steht jemand vor Gericht – wer wird der Nächste sein?“ In den stillen Gängen des Stadtarchivs Lemgo (Rampendal 20a) liegen seit Jahrhunderten die Aufzeichnungen derer, die dem kalten, unerbittlichen Urteil begegnet sind. Jede Spur ist geblieben – bis zu den wachsbesprenkelten Seiten der Gerichtsakten und den verblassten Tintenflecken alter Geständnisse. Dort, zwischen den Regalen, ruhen drei Namen, die das letzte Kapitel der Lemgoer Hexenhysterie markieren: Andreas Koch, Maria Blattgerste und Maria Rampendahl.
1. Andreas Koch – der Pastor als Angeklagter
Kirchliche Aufzeichnungen belegen, dass Andreas Koch, um 1619 in Lemgo geboren, Pastor an der Kirche St. Nicolai war. Im Jahr 1666 wurde er von den Behörden des Teufelsbundes beschuldigt. In den erhaltenen Prozessakten heißt es:
„… er wurde dreimal gefoltert und nach dem Geständnis zum Tode verurteilt. Er wurde … zum Tod durch das Schwert begnadigt, statt lebendig verbrannt zu werden.“
Am Morgen des 2. Juni 1666, zwischen vier und fünf Uhr, wurde das Urteil vollstreckt: Enthauptung und Verbrennung der Überreste am Regenstor. Eine Notiz im Archiv lautet schlicht:
„Archivale: …“ – ein stummes Zeugnis in der Sammlung „… es ist kein Erretter da gewesen …“ (Stadtarchiv Lemgo).
Ein Pastor, der das Unrecht der Prozesse anprangerte, wurde selbst zu deren Opfer.
2. Maria Blattgerste – verbrannt am 18. März 1681 Nach überlieferten Listen der letzten Lemgoer Hexenprozesse wurde Maria Blattgerste am 18. März 1681 auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Obwohl ihre Prozessakte verloren oder unvollständig ist, sehen Historiker in ihrem Fall das Ende der Verfolgungen. Ein Eintrag in der Bibliographie zur Geschichte der Hexenverfolgungen vermerkt:
„Moeller-Friedrich, Heinrich: Die letzte Hexe von Lemgo [Maria Blattgerste]. … o.Sign.: Lemgoer Hexenprozeß der Maria Rampendahl 1681 (A 3672).“
Ihr Tod gehörte zu den letzten öffentlichen Verbrennungen Lemgos – Rauch, der das Ende einer Epoche markierte.
3. Maria Rampendahl – die Letzte, die nicht gestand Maria Rampendahl, um 1645 in Lemgo geboren, war die Tochter des Ratsmannes Cordt Rampendahl. Als Maria Blattgerste im März 1681 verbrannt wurde, beschloss die Stadt, dem Wahnsinn ein Ende zu setzen. Maria wurde verhört und gefoltert, doch sie gestand nicht. In den Akten steht:
„Sie gestand unter der Folter nicht.“
Am 15. April 1681 verurteilte man sie zur ewigen Stadt- und Landesverweisung – Aktenzeichen A 3672 (Stadtarchiv Lemgo). Ihr Ehemann klagte später vor dem Reichskammergericht Speyer, ohne Erfolg. Sie lebte im Exil und starb 1705 in Varel.
Heute erinnert das Hexenbürgermeisterhaus Museum in Lemgo an ihr Schicksal – mit Originaldokumenten und Folterinstrumenten jener Zeit.
Ihre Geschichten bilden eine düstere Dreieinigkeit: • Koch – der Pastor, der der Anklage zum Opfer fiel; • Blattgerste – die Verbrannte, deren Tod das Ende einläutete; • Rampendahl – die Letzte, standhaft und doch verbannt.
Die Archive bewahren nur noch verblassende Zeilen und Signaturen – A 3672, brüchiges Papier, schwärzliche Tinte. Doch wenn die Nacht über Lemgo fällt, scheint es, als flüsterten die alten Regale erneut – als würde in ihrem Staub noch der Aschehauch der drei Opfer wehen.
Wir nutzen Cookies, um die Funktionalität dieser Website zu gewährleisten. Notwendige Cookies sind immer aktiv. Für Google Maps benötigen wir Ihre Zustimmung. Mehr erfahren
Cookie-Einstellungen
Wir respektieren Ihre Privatsphäre. Sie können selbst entscheiden, welche Cookies Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei Deaktivierung bestimmter Cookies einige Funktionen der Website möglicherweise nicht verfügbar sind.
Notwendige Cookies
Erforderlich
Diese Cookies sind für die grundlegende Funktionalität der Website unbedingt erforderlich. Sie können nicht deaktiviert werden, da die Website ohne sie nicht ordnungsgemäß funktionieren würde.
Verwendete Cookies:
PHPSESSID - Sitzungsverwaltung für angemeldete Benutzer und Formularübermittlungen
cookie_consent, cookie_choice - Speichert Ihre Cookie-Einstellungen für zukünftige Besuche
Google Maps
Optional
Diese Cookies ermöglichen die Anzeige interaktiver Karten von Google Maps. Wenn Sie diese Cookies akzeptieren, können Karten mit Standortmarkierungen angezeigt werden.
Anbieter: Google LLC Zweck: Anzeige interaktiver Karten zur geografischen Darstellung von Geschichten und Städten Datenschutz:
Google Datenschutzerklärung
Hinweis: Durch die Aktivierung von Google Maps werden Daten an Google LLC (USA) übertragen. Google kann Ihre IP-Adresse und andere Informationen erfassen.