Die Alten im Almea-Tal erzählen, dass alles an einem düsteren Morgen Mitte des 9. Jahrhunderts begann, als das Land noch von Unruhe und Chaos erschüttert wurde, die durch die Wälder zwischen Paderborn und Bürenland zogen. Der junge Edelmann Meinolfus, Sohn eines lokalen Grafen und ein Mann von unruhigem Geist, wanderte durch den Wald auf der Suche nach der Stille, die seine Seele beruhigen sollte. Obwohl er ein geschickter Jäger war, wollte er an diesem Tag kein Blut vergießen — er suchte ein Zeichen, etwas, das ihm den richtigen Weg zeigen würde.
Während der Nebel wie ein weißer Schleier über dem Waldboden lag, erschien vor ihm ein Hirsch. Doch kein gewöhnlicher Hirsch: Zwischen seinen Geweihen glänzte ein leuchtendes Kreuz, als trüge die Morgendämmerung selbst es auf seinen Schultern. Der Hirsch sah ihn ruhig an, beinahe menschlich, und wandte sich dann leise um und begann, tiefer in den Wald zu schreiten.
Von Ehrfurcht erfüllt, folgte Meinolfus dem Tier schweigend.
Der Weg dauerte lange, doch jedes Mal, wenn er zweifelte, drehte sich der Hirsch kurz um, und das Kreuz leuchtete stärker, als wollte es ihm Kraft schenken. Schließlich erreichten sie eine Lichtung, auf der aus dem Boden klares, kühles Wasser sprudelte. Der Hirsch blieb am Rand der Quelle stehen und kniete nieder wie vor einem Altar. Dann verwandelte er sich lautlos in einen Lichtschein und verschwand.
Meinolfus erkannte: dieser Ort ist heilig.
Bald sprach sich herum, dass der junge Edelmann „Gottes Wasser“ gefunden hatte, und um das Jahr 836/837 wurde zunächst eine kleine Kapelle, später das Kloster errichtet — Kloster Böddeken, im Herzen des Waldes, ein Ort des Gebets, des Friedens und der Hoffnung, ein Zufluchtsort für Seele und Leib.
Als Meinolfus schließlich im Alter eines geweihten Priesters und Gründers starb, legte die Gemeinschaft ihn in ein schlichtes Grab innerhalb der Klostermauern. Und dann geschah etwas, das niemand erklären konnte.
Nachts erschien über seinem Grab manchmal ein flackerndes Licht — nicht unbedingt ein Lichtschein, sondern eher ein Gefühl von Gegenwart, Wärme und stillem Gebet ohne Stimme. Pilger begannen von weit herzukommen, berichteten, dass sie in Träumen einen Mann in weißem Gewand gesehen hätten, der sie nach Böddeken rief. Andere erzählten, dass ihr Herz beim Beten an seinem Grab von Sorge und Kummer befreit wurde und dass sie einen Frieden spürten, den sie seit Jahren nicht kannten.
Die Mönche schwieg lange darüber, doch die Legende verbreitete sich. Man sagte, so wie der Hirsch mit dem Kreuz nicht nur ein Tier, sondern ein Bote des Himmels war, so kümmere sich auch Meinolfus nach seinem Tod weiterhin um die Seelen, die in Böddeken Trost suchten.
Und so pilgerten die Menschen über Jahrhunderte hinweg nach Böddeken — manche wegen eines Wunders, manche aus Hoffnung, andere einfach, um an den Ort zu treten, an dem, so sagt man, Himmel und Erde einst im Antlitz des heiligen Hirsches aufeinandertrafen.
Wewelsburg: Die Frau in Weiß – Hüterin der vierten Ecke
🍪
Wir verwenden Cookies
Wir nutzen Cookies, um die Funktionalität dieser Website zu gewährleisten. Notwendige Cookies sind immer aktiv. Für Google Maps benötigen wir Ihre Zustimmung. Mehr erfahren
Cookie-Einstellungen
Wir respektieren Ihre Privatsphäre. Sie können selbst entscheiden, welche Cookies Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei Deaktivierung bestimmter Cookies einige Funktionen der Website möglicherweise nicht verfügbar sind.
Notwendige Cookies
Erforderlich
Diese Cookies sind für die grundlegende Funktionalität der Website unbedingt erforderlich. Sie können nicht deaktiviert werden, da die Website ohne sie nicht ordnungsgemäß funktionieren würde.
Verwendete Cookies:
PHPSESSID - Sitzungsverwaltung für angemeldete Benutzer und Formularübermittlungen
cookie_consent, cookie_choice - Speichert Ihre Cookie-Einstellungen für zukünftige Besuche
Google Maps
Optional
Diese Cookies ermöglichen die Anzeige interaktiver Karten von Google Maps. Wenn Sie diese Cookies akzeptieren, können Karten mit Standortmarkierungen angezeigt werden.
Anbieter: Google LLC Zweck: Anzeige interaktiver Karten zur geografischen Darstellung von Geschichten und Städten Datenschutz:
Google Datenschutzerklärung
Hinweis: Durch die Aktivierung von Google Maps werden Daten an Google LLC (USA) übertragen. Google kann Ihre IP-Adresse und andere Informationen erfassen.