Hoch über dem Fluss Alme, wo der Nebel jeden Morgen wie ein Schleier über das Tal zieht, stand einst eine mächtige Burg – Burg Büren.
Gebaut aus kaltem Stein und umgeben von Wasser, war sie das Zuhause der Adelsfamilie von Büren, bekannt für ihre Tapferkeit – doch auch für das Dunkel, das sie begleitete.
Es heißt, der letzte Herr der Burg war Gerhard von Büren, ein Mann von Ehre, aber geplagt von schweren Träumen.
Nacht für Nacht sah er denselben Traum: Eine Frau in weißer Kleidung stand auf den Mauern der Burg und weinte.
Niemand wusste, wer sie war, bis eines Tages ein alter Dorfbewohner das Geheimnis offenbarte:
Es war Alena, Gerhards Schwester, die vor langer Zeit unter mysteriösen Umständen verschwunden war.
Der Legende nach war Alena in einen Ritter aus Paderborn verliebt – aus einem feindlichen Land.
Als ihr Bruder davon erfuhr, ließ er den Ritter hinrichten und Alena im Keller der Burg einschließen – „bis sie vergisst“.
Doch sie vergaß nie.
Man sagt, sie starb im Dunkeln und betete, dass ihr Geist keinen Frieden finden würde, solange das Blut der von Bürens in der Burg fließt.
Seit jener Zeit wurde die Burg unruhig.
Türen öffneten sich von selbst, Kerzen erloschen ohne Wind, und leises Schluchzen hallte durch die Gänge.
Eines Winters stieg Gerhard hinab in den Keller, entschlossen, sich dem Fluch seiner Familie zu stellen.
Er kehrte nie zurück.
Die Diener fanden nur einen silbernen Speer, tief in den Stein gerammt, und eine blasse Gestalt der Frau, die im Nebel verschwand.
Seitdem steht die Burg leer.
Nur die Mutigen wagen es, in die Keller hinabzusteigen, und wenn man genau hinhört, kann man zwei Stimmen hören –
das Flüstern der Schwester und das Seufzen des Bruders,
die versuchen, einander zu vergeben zwischen den kalten Steinen einer Burg, die selbst die Zeit nicht freigeben konnte.
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